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Stellungnahme der GTP zu dem rassistischen Mordanschlag in Hanau

Stellungnahme der GTP zu dem rassistischen Mordanschlag in Hanau

Wir sind als BürgerInnen dieses Landes zutiefst bestürzt, traurig, verängstigt und zornig, dass wieder unschuldige Menschen durch einen rassistischen Mordanschlag sterben mussten.

Die Opfer sind Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind bzw. sich zu dieser Gesellschaft zugehörig gefühlt haben. Aufgrund ihrer Herkunft wurden sie kaltblütig ermordet. Die rassistischen Anschläge in Rostock, Hoyerswerda, Mölln und Solingen haben emotional tiefe Wunden bei den MigrantInnen hinterlassen. Umso erschütternder waren die NSU-Morde, die nicht nur bei MigrantInnen ein Ohnmachtsgefühl und eine tiefe Verunsicherung hinterlassen haben. Bevor wir seelisch diese Morde und Mordanschläge verarbeiten konnten, sind nun weitere Ereignisse hinzugekommen: Der Mord an Walter Lübcke und nun zuletzt das schreckliche Ereignis in Hanau. Wir als GTP, eine Organisation, die sich vornehmlich mit den Belangen türkeistämmiger MigrantInnen im psychosozialen Gesundheitssektor auseinandersetzt, können in unserer Arbeit die Angst und die Enttäuschung unserer PatientInnen/KlientInnen miterleben. Nicht nur für diese stellt sich die Frage, in wieweit wir hier als Teil dieser Gesellschaft in Sicherheit und unter dem Schutz des Staates leben können. Statt sich als Teil dieser Gesellschaft zu erleben, verstärkt sich bei allen Betroffenen, die von rassistischen Anschlägen bedroht sind, das Gefühl, in Deutschland nicht in Ruhe und Frieden leben zu können. Manch einer beschäftigt sich mit der Frage, dieses Land zu verlassen! So vehement kann die gefühlte Bedrohung sein!

Es fällt auf, dass die Mörder häufig Mitglieder von Sportschützenvereinen sind. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wer Zugang zu den hier vorhandenen Waffen hat, wer diese besitzen kann und ob genügend geprüft wird, ob eine Person mit völkisch, spalterischem und nationalistischen Gedankengut Zugang zu Waffen haben darf dürfte. Wie kann es sein, dass offenbar in staatlichen Behörden Mitarbeiter mit rassistischem, feindseligem Gedankengut vorhanden sind und ihre Möglichkeiten dazu nutzen, zwischen den Menschen Angst, Spaltung und Fremdheitsgefühle zu schüren?

Der rechte Terror, der zunehmend sichtbarer wird, wird häufig Einzelnen zugeschrieben und pathologisiert und damit auch verharmlost. In Erinnerung bleibt dann, dass die Täter seelisch kranke Menschen sind und mit politischer Gesinnung nichts zu tun haben. Als Fachkräfte aus dem psychosozialen Sektor, als PsychotherapeutInnen wissen wir, dass es Menschen mit psychischen Störungen oder Krankheiten in jeder Gesellschaft gibt. Jedoch hat nicht jeder psychisch gestörte Mensch die Absicht, MigrantInnen zu töten. Wenn jedoch ein Individuum dazu neigt, seine eigenen Fremdheitsgefühle auf andere Menschen zu übertragen und diese bei den anderen als gefährlich und bedrohlich zu erleben und diese auch vernichten möchte, dann müssen wir alle – auch der Staat – klarer von rassistischer Gesinnung sprechen und dies entsprechend auch definieren.

Die deutsche Geschichte hat gezeigt, dass Rassismus und völkische Ideologie selbst die Struktur eines Wahns haben und die Existenz aller Menschen gefährden kann. Deshalb appellieren wir nochmal an die Regierung und alle staatlichen Instanzen mit aller Deutlichkeit, dass sie ein friedliches und demokratisches Miteinander gewährleisten müssen. Dazu gehört für uns unerlässlich, rassistische Gesinnung in aller Klarheit abzulehnen und im Interesse aller BürgerInnen die erforderlichen rechtlichen Schritte dagegen einzuleiten.

Als MitgliederInnen der GTP sind wir hier geboren und/oder aufgewachsen und setzen uns mit unseren fachlichen Möglichkeiten und Kenntnissen für ein gesundes, friedliches Miteinander in unserem Lande ein. Wir werden weiterhin bemüht sein, die individuelle wie auch gesellschaftliche seelische Gesundheit zu unterstützen und rufen dabei alle staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen auf, unsere gemeinsame Arbeit für ein friedliches, demokratisches Miteinander zu schützen und zu fördern.

GTP-Vorstand

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